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Arrogant Bastard Ale
Sieht böse aus: Das Arrogant Bastard Ale. Foto: Foto: was-mit-bier.de

Arrogant Bastard Ale im Test: Drölfhundertundfünf IBU

Ein halber Liter Arrogant Bastard Ale, in Alu verpackt – und die Dose sagt: „Du bist es nicht wert, dass Du mich trinkst“. Aha. Ob ich Deiner würdig bin, möchte ich dann doch selbst herausfinden, Du Angeber. Also, Testbier ins Glas und los!

„Du hast hier ein aggressives Bier vor Dir. Es wird Dir wahrscheinlich nicht schmecken“: Das haben die Macher des Arrogant Bastard Ale großkotzig auf die Büchse drucken lassen. Dann wettern sie in einem langen Text gegen „geschmacklose Dünnbiere“ – und schließlich klopfen sie sich selbst auf die Schultern, weil ja sie es sind, die „immer geiles Bier brauen“. Was ist bloß los mit diesen Typen?

Die Antwort liegt offenbar in der Herkunft der „Stone Brewing Company“. Ihre Deutschland-Dependance ist zwar in Berlin, das Unternehmen stammt aber aus den USA. Und wer bis zur Craft Beer-Revolution jahrzehntelang weichgespültes Budweiser für das Maß aller Dinge halten musste, kriegt dann wohl schon mal etwas erhöhten Blutdruck, wenn er sich ernsthaft mit dem Thema „Bier“ beschäftigt. Außerdem ist das Gepolter, seien wir ehrlich, doch eine ziemlich geniale Marketing-Masche.

Zarte Süße und knallharte Hopfenbittere

Aber nun zum Test. Das Arrogant Bastard Ale ist inzwischen aus seiner Alu-Höhle in ein Glas geflossen. Optisch macht es einiges her: intensive, leuchtende Farbe, eher sattes rot als rot-braun. Obenauf sitzt schöner, stabiler Schaum, altweiß und feinporig. Das Bier riecht überraschend süß, malzig – da ist auch eine Spur von Holzkohle. Der Hopfen zeigt sich anfangs noch dezent, schiebt sich erst später in die Nasenlöcher. Dann der erste Schluck. Es folgt für Sekundenbruchteile ein verwirrendes Zusammenspiel von zarter Süße und knallharter Hopfenbittere. „Süß“ ist aber sofort wieder futsch. Die Bitternote hingegen bleibt. Und bleibt, und bleibt, und bleibt. „Will ich mir wirklich den halben Liter reinschrauben?“, frage ich. „Durchhalten!“, ist die Antwort. „Du hast schließlich drei Euro für die Dose gelöhnt.“

Also weiter. Wenn jetzt noch irgendwelche Biersommeliers zarte Aromen von Schokolade, Grapefruit oder Johannisbeere klar herausschmecken wollen, schüttele ich den Kopf. Alles, woran ich nach den ersten Schlucken denke, sind diese megabitteren Hustentropfen, die mir mein Hausarzt vor Jahren mal bei einer Erkältung verschrieben hatte. Die Tropfen mochte ich aber eigentlich ganz gerne – und auch mit dem 7,2 Prozent starken Arrogant Bastard Ale freunde ich mich immer mehr an. Das Glas wird leerer. Wenn ich mich jetzt anstrenge, schmecke ich tatsächlich etwas anderes als diese bitter-bittere Hopfenbittere, und zwar Malzaromen, aber auch Frucht, dazu… Kaffeesatz. Außerdem kommen Geschmäcker zum Vorschein, die an einen herbstlichen Waldspaziergang erinnern, irgendwie aber auch an einen abgefackelten Tannenbaum.

Fazit: Den Geschmacksnerven zeigen, wo der Hammer hängt

Das Arrogant Bastard Ale ist ein komplexes Bier, das schwer zu beschreiben ist. Im Einstieg steigt’s eben ein, der Körper körpert und im Abgang geht’s halt richtig ab! Gefühlt drölfhundertfünfundsiebzig IBU zeigen den Geschmacksnerven, wo der Hammer hängt. Dennoch: ein durchaus spannendes, interessantes Bier. Spötter mögen sagen, sie könnten sich anstelle des Bieres auch gleich einen Sack Hopfen kaufen und die Dolden kauen. Ich würde jedoch stets die Dose Arrogant Bastard Ale bevorzugen. Obwohl ich nun nach dem halben Liter das dringende Bedürfnis habe, den Gaumen mit einem „geschmacklosen Dünnbier“ zu beruhigen, bleibt die Erkenntnis, dass dieses Bier eines der Interessantesten ist, die ich in den letzten Jahren getrunken habe.

 

Arrogant Bastard Ale

Bewertung

Optik:
Geruch:
Geschmack:
Preis-Leistung:
Süffigkeit:

Bier-Steckbrief

Name: Arrogant Bastard Ale
Brauerei: Stone Brewing GmbH
Alkoholgehalt: 7,2 % Vol.
Herkunft: Berlin (Berlin)
Biersorte: American Strong Ale
Zutaten: Wasser
Gerstenmalz
Hopfen
Hefe
Stammwürze: k.A.
Bittereinheiten: k.A.
Gärung: obergärig
Farbe: rot-braun
Geschmack: bitter
Preis: ca. 3 Euro (0,5 l Dose)

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Der Autor - Tobias Appelt

Geboren in einem Jahr, in dem es eine sensationelle Hopfenernte gab: 1982. Dann aufgewachsen und irgendwann ins biertaugliche Alter gekommen. Seitdem immer auf der Suche nach ausgefallenen Spezialitäten. Der Meinung, dass Bier flüssiges Kulturgut ist - und daher leidenschaftlicher Fan.

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