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Die Schneeeule aus der Brauerei Kennedy. Foto: was-mit-bier.de

Schneeeule Kennedy im Test: „Ich bin Berliner Weisse“

Die Berliner Weisse galt zeitweise als vom Aussterben bedrohte Spezies. Momentan erfährt sie jedoch eine Renaissance. Gerade die Craft-Beer-Szene hat diesen Biertyp für sich entdeckt. Darunter ist auch die Berliner Brauerei Schneeeule. Was ihre Berliner Weisse namens Kennedy kann, zeigt unser Test.

Ich muss gestehen, mit „Berliner Weisse“ konnte ich nie so recht etwas anfangen. Das hat zwei Gründe. Zum einen bin ich als Ruhrpott-Mensch in der Vergangenheit selten bis gar nicht mit ihr in Kontakt gekommen. Zum anderen wollte ich nie so recht verstehen, was an einem Bier toll sein soll, dass man erst trinkbar macht, indem man bunten Sirup reinkippt. Nun ist es aber so, dass seit einiger Zeit die Berliner Weisse wieder sprichwörtlich in aller Munde ist. Und als ich dann noch „Kennedy“ aus der Berliner Schneeeule-Brauerei in die Finger bekam, war mein Interesse abermals geweckt.

Hübsches Etikett, interessante Zutatenliste

Was zunächst ins Auge springt, ist das Etikett, das auf der handlichen 0,33-Liter-Flasche klebt. Nicht nur, weil es hübsch gestaltet ist („Ich bin ein Berliner Weisse“ in Anspielung an John F. Kennedys legendären Worte). Sondern auch und vor allem wegen der Zutatenliste, die weit über das übliche „Wasser-Gerstenmalz-Hopfen“ hinausgeht. „Saccaromyces“, „Lactobacillus“ und „Brettanomyces“ lesen wir – es sind die Hefepilze und Bakterien, die das Bier so besonders machen sollen. „Lebendige Mikroorganismen führen während der Lagerung zu Veränderungen des Aromas, Alkohol- und CO₂-Gehalts“, steht auch auf dem Etikett. Und, ja, das klingt plausibel, zeigt aber auch, dass unser Test nicht als der Weisheit letzter Schluss verstanden werden kann, wenn jedes Exemplar dieses flaschengegärten Bieres ein Individualist sein darf.

Limonadig, fruchtig und Hauch von Traubenzucker

Aber jetzt ans Eingemachte. Korken vom Gefäß, das Bier soll ins Glas. Schneeeules Kennedy zeigt sich dort unfiltriert-trüb, farblich driftet es in Richtung orange-braun. Optisch erinnert es ein wenig an Schöfferhofers Grapefruit-Variante oder an Kombucha. Der Schaum baut sich in Windeseile sprudelnd auf, ist dann aber auch wieder im Nu verschwunden. An der Nase kitzeln limonadig-fruchtige Gerüche von saurem Apfel und einem Hauch von Traubenzucker. Führt man das Glas nun an den Mund, präsentiert sich Schneeeules Kennedy im Einstieg unglaublich frisch – die Kohlensäure kitzelt sofort aktiv-belebend auf der Zunge, der hohe Hefeanteil macht sich gleich bemerkbar und interessante Noten von Zitrone und Grapefruit unterstreichen die milde Bitterkeit. Der dezent eingesetzte amerikanische Hopfen hält sich im Hintergrund und macht so Raum für ein spritziges Gesamterlebnis. Insgesamt, so kann man wohl sagen, geht Kennedy angenehm stramm durch die Geschmacksnerven. Lecker.

Gerne noch ein paar Flaschen mehr

Eingangs hatte ich es erwähnt, ich bin beileibe kein Berliner Weisse-Experte. Aber dieses Bier macht mir Spaß. Es wird unter Verwendung von Weizenmalz gebraut, erinnert an manche Hefeweizen, und wer solche mag, dürfte auch an Schneeeules Kennedy Gefallen finden. Später erfahre ich, ich hätte Kennedy erst einmal verkosten sollen, ohne die Hefe aus der Flasche zu schütteln, um den puren Geschmack der Weisse zu spüren. Hat mir vorher aber keiner gesagt. Und woher soll ich Ruhrpott-Mensch das auch wissen. Macht aber nichts. Denn „Kennedy“ ist ein Bier, von dem man sich gerne noch ein paar Flaschen mehr holt.

Schneeeule Kennedy

Bewertung

Optik:
Geruch:
Geschmack:
Preis-Leistung:
Süffigkeit:

Bier-Steckbrief

Name: Schneeeule Kennedy
Brauerei: Schneeeule Brauerei GmbH
Alkoholgehalt: 3 %
Herkunft: Berlin (Berlin)
Biersorte: Berliner Weisse
Zutaten: Wasser
Weizenmalz
Gerstenmalz
amerikanischer Hopfen
Saccaromyces
Lactobacillus
Brettanomyces
Stammwürze: k.A.
Bittereinheiten: k.A.
Gärung: obergärig
Farbe: orange-braun
Geschmack: komplex
Preis: ca. 4 Euro (0,33 l Flasche)

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Der Autor - Tobias Appelt

Geboren in einem Jahr, in dem es eine sensationelle Hopfenernte gab: 1982. Dann aufgewachsen und irgendwann ins biertaugliche Alter gekommen. Seitdem immer auf der Suche nach ausgefallenen Spezialitäten. Der Meinung, dass Bier flüssiges Kulturgut ist - und daher leidenschaftlicher Fan.

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