Home / Brautradition und Pioniere / Zu Besuch bei den Jungs vom Brauprojekt 777 am Niederrhein
Brauprojekt 777
Das Team des Brauprojekt 777: Torsten Mömken, Christian Preuwe und Arne Hendschke (v.l.). Nicht im Bild Tim Schade. Foto: was-mit-bier.de

Zu Besuch bei den Jungs vom Brauprojekt 777 am Niederrhein

2012 haben in Spellen vier Freunde das Brauprojekt 777 gestartet. Was aus einer Laune heraus entstand, ist heute fest verankert in der Craft-Beer-Szene der Region. Die ausgefallenen Biere vom Niederrhein haben immer mehr Fans – aber ihre Macher bleiben bescheiden.

Ende 2012 hatten die Jungs vom Brauprojekt 777 zu ihrem ersten Werksverkauf geladen. 320 Liter Bier haben sie an diesem Tag über den Tresen gereicht. Die Kasse klingelte, ratzfatz waren die Regale leer – und alle waren total aus dem Häuschen! „Da hab ich zum ersten Mal gedacht: Das wird hier was“, blickt Arne Hendschke (33) zurück. Und zugleich gibt er zu: „Am Anfang waren wir mega-naiv. Wir haben einfach unser Ding gemacht – und das ist halt ganz gut angekommen“.

Ganz gut angekommen? Das ist wohl ein wenig untertrieben. Arne Hendschke, Torsten Mömken, Christian Preuwe und Tim Schade haben sich seit dem Start des Brauprojekt 777 in der NRW-Bierwelt einen Namen gemacht – und schon einige Preise gewonnen, etwa beim Dublin Craft Beer Cup 2016.

Die Menschen stehen Schlange für das Bier des Brauprojekt 777

Wenn sie heute zum Werksverkauf in die Friedrich-Wilhelm-Straße nach Spellen laden, stehen die Menschen zuweilen Schlange, um ein paar Flaschen der begehrten „777“-Biere abzustauben. Und der Verkauf hat inzwischen ganz andere Dimensionen erreicht, als damals bei der Premiere: Heute ist es nicht unwahrscheinlich, dass an einem einzigen Verkaufstag bis zu 6000 Liter über den Ladentisch gereicht werden. „Das ist aber immer total unterschiedlich“, sagt Arne Hendschke. „Manchmal sitzen wir hier auch nur rum.“ – Da ist sie wieder, diese „Brauprojekt“-typische Bescheidenheit.

Früher, als Arne, Torsten, Christian und Tim noch kein Bier gebraut haben, waren Mofas mal ihr Ding. Als Mitglieder der Mopped-Truppe „Die Kobras“ war ihr Motto „25 Stundenkilometer Freiheit“, der Name „Kobrabräu“ fand sich sogar zeitweise noch als Schriftzug auf ihren Braumaschinen. Heute verrät noch immer ein Hinweis auf ihren Flaschenetiketten, dass ihr Pils „das Bier der Kobras ist“. Einmal Rocker, immer Rocker.

Schon seit der Kindheit miteinander befreundet

„Das ist tatsächlich so wie bei einer Band“, sagt Torsten Mömken (33) über sich und seine Kollegen, mit denen er schon seit Kindestagen befreundet ist. „Es wird uns geben, solange die Leute uns haben wollen, und wir müssen uns immer wieder etwas Neues einfallen lassen.“ Ideen haben die Jungs viele. Immer wieder nehmen sie neue Biersorten in ihr Sortiment auf.

Damit treffen sie offenbar den Nerv der Zeit. Dabei hat das Brauprojekt 777 dafür gesorgt, dass die Craft-Beer-Szene nun weiß, wo der Ort Spellen liegt und in welchem Jahr er gegründet worden ist. Im Jahre 777 wurde Spellen nämlich erstmals urkundlich im goldenen Buch der Abtei Echternach erwähnt.

Pioniergeist und Aufbruchsstimmung beim Brauprojekt 777

„Es herrschen Pioniergeist und Aufbruchsstimmung“, sagt Torsten. „Das ist ein bisschen so wie damals, als im Silicon Valley in jeder zweiten Garage eine Computerfirma gegründet wurde.“ Dabei herrsche bei den „Jungen Wilden“ der Craft-Beer-Szene kaum Konkurrenzdenken, vielmehr stünde ein gemeinsames Ziel im Vordergrund. Man tauscht sich aus untereinander, schickt sich Bierproben zum Verkosten, präsentiert sich gemeinsam bei Bier-Börsen: „Wir alle haben halt den selben Anspruch: Weg vom Mainstream! Wir wollen Biere mit Charakter“, sagen sie beim Brauprojekt.

Brauprojekt 777
Bei der Arbeit:
Torsten Mömken.
Foto: was-mit-bier.de

Vier Biere bilden das Grundgerüst des „777“er-Sortiments: das Pils „Pilsss“, das hopfig-fruchtige „Single Hop“, ein von irischen Einflüssen inspiriertes „Red Ale“ und das mehrfach preisgekrönte „Triple 7 IPA“. Hinzu kommen immer wieder saisonale Biere. So wird im Advent beim Werksverkauf etwa ein recht kräftiges, sehr malziges Winterbier angeboten. Auch ein Honigbier, dessen Rohstoffe von einem Imker aus der Region stammen, kommt vor Weihnachten in die Regale. Mit Spannung erwartet wurde der „Barley Wine“, der 2017 eine Woche vor Heiligabend vorgestellt wurde – nachdem er zwei Jahre lang gereift war. Und passend zum Fest kommt auch ein Bier namens „Snow White Seven“ in den Verkauf – angereichert ist es mit Zimt, Ingwer, Piment und Orangenschalen.

Qualität hat halt ihren Preis

Dass der Craft-Beer-Trend bald wieder vorbei sein könnte, bereitet den Spellener Brauern kein Kopfzerbrechen. „Die Welle wird abebben, klar“, sagt Christian Preuwe (33). „Aber auch beim Bier findet ein Umdenken statt. Jahrzehntelang haben die großen Brauereien alles dafür getan, Biere herzustellen, die immer gleich schmecken. Die Leute wollen aber Abwechslung und Qualität. Und sie wissen, Qualität hat auch ihren Preis.“

Was die wirtschaftliche Seite ihres Unternehmens anbelangt, sind die Brauprojekt-Macher von vornherein keine Risiken eingegangen. Nie haben sie bei den Banken angeklopft und nach Krediten gefragt. Wenn Investoren kamen und Geld angeboten haben, dann haben sie freundlich abgelehnt. „Alles, was wir haben, haben wir uns selbst aufgebaut“, sagt Torsten. „Das Geld, das wir eingenommen hatten, haben wir wieder investiert. Dadurch sind wir zwar sehr langsam gewachsen, aber dafür nachhaltig – und wir sind unser eigener Herr geblieben.“

Den eigenen Arbeitsplatz geschaffen

Anfangs hatten alle vier noch Jobs neben dem Brauen. Inzwischen arbeiten Arne, gelernter Brauer und Mälzer, und Torsten, Maschinenbau-Techniker, in Vollzeit für das Brauprojekt. Der Traum der vier ist, dass sie bald alle von ihrem Handwerk leben können. „Da haben wir aber keine konkrete Deadline“, sagt Torsten. „Wir machen einfach weiter unser Ding.“

Craft Beer bei Amazon bestellen

Der Autor - Tobias Appelt

Geboren in einem Jahr, in dem es eine sensationelle Hopfenernte gab: 1982. Dann aufgewachsen und irgendwann ins biertaugliche Alter gekommen. Seitdem immer auf der Suche nach ausgefallenen Spezialitäten. Der Meinung, dass Bier flüssiges Kulturgut ist - und daher leidenschaftlicher Fan.

Noch mehr Bier

Fußball: Kemminghausen trinkt VfL-Pils

Dortmund ist für seine Biertradition berühmt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten in der Ruhrgebietsstadt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen