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Am Niederrhein gibt es viel Landschaft - und gutes Bier. Foto: chicita/CC

Am Niederrhein wächst die Biervielfalt

Der Niederrhein hat inzwischen einen festen Platz auf der Bierlandkarte der Republik. Im tiefsten Westen von Nordrhein-Westfalen lassen die Brauer interessante Spezialitäten entstehen. Einige von ihnen pflegen das Handwerk seit vielen Jahren, andere sind ganz neu dabei. Ein kurzer Überblick.

Die Deutschen trinken weniger Bier, finden aber immer mehr Gefallen an ausgefallenen Spezialitäten. Nachdem der Markt in den vergangenen Jahren recht stabil gewesen war, verbuchten die Brauer 2017 einen leichten Umsatzrückgang. Gleichzeitig nimmt die Vielfalt auf dem Biermarkt zu. Der Deutsche Brauer Bund geht davon aus, dass hierzulande mehr als 6000 Biermarken angeboten werden: „Damit haben die Verbraucher mehr Auswahl denn je zuvor“.

Geilings Bräu aus Kamp-Lintfort pflegt die Brautradition

In den vergangenen Jahren sind überall in Deutschland kleine, inhabergeführte Brauereien entstanden. Es ist die Rede von einer „Craft-Beer-Welle, die von Amerika herübergeschwappt ist“. Spricht Johannes Lehmbrock aber von seinem „Geilings Bräu“ und seiner Brauerei in Kamp-Lintfort am Niederrhein, dann mag er das alles gar nicht so recht als „Craft Beer“ bezeichnen.

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Hat sich mit Geilings Bräu einen Traum erfüllt: Johannes Lehmbrock in seiner Brauerei. Foto: was-mit-bier.de

„Craft Beer ist ja nichts anderes als eine Bezeichnung für handwerklich gebrautes Bier“, sagt er. „Und, ja, in Amerika haben die kleinen Craft Beer-Brauer den Markt in Bewegung versetzt. Dort hatten zwei, drei große Konzerne lange Zeit die Kontrolle übernommen. Dann kamen die jungen Wilden, haben in ihren Garagen spannende Sachen gebraut und sind damit sehr erfolgreich geworden. Doch in Deutschland haben wir seit Jahrhunderten eine enorme Bier- und Brauereivielfalt – bei uns entsteht also schon seit langer Zeit ,Craft Beer‘, ohne dass wir es so genannt haben.“

Geilings Bräu in Kamp-Lintfort

Geilings Bräu in Kamp-Lintfort

Die Brauerei ist auf dem Geilings Hof eingerichtet: Saalhoffer Straße 327, Kamp-Lintfort. Telefon: 02842 / 40 45 23, info@geilings-braeu.de, www.geilings-braeu.de. Jeden Samstag wird von 9 bis 14 Uhr auf dem Hof das dort gebraute Bier verkauft. Auch Brauereiführungen werden angeboten. Braumeister Johannes Lehmbrock empfängt die Gäste persönlich, erklärt die Entstehung seiner Biere und beantwortet alle Fragen. Bei „Sommelier-Abenden“ werden regelmäßig besondere Bierspezialitäten verkostet.

Diebels war lange ein Synonym für Bier vom Niederrhein

Dachten die Menschen an Bier vom Niederrhein, kam ihnen lange Zeit augenblicklich der Name Diebels in den Sinn. 1878 wurde die Brauerei in Issum gegründet, das dort entstehende Altbier ist weltbekannt. Doch neben dem Großkonzern sorgen auch neue Akteure für Bewegung in der hiesigen Bierlandschaft.

Brauprojekt 777
Das Team des Brauprojekt 777: Arne Hendschke, Christian Preuwe und Torsten Mömken (v.l.). Nicht im Bild Tim Schade. Foto: was-mit-bier.de

Im Jahr 2012 haben in Voerde-Spellen vier Freunde das „Brauprojekt 777“ gestartet. Die ausgefallenen Biere von Arne Hendschke, Torsten Mömken, Christian Preuwe und Tim Schade haben immer mehr Fans. Vier Biere bilden das Grundgerüst des „777“er-Sortiments: das Pils „Pilsss“, das hopfig-fruchtige „Single Hop“, ein von irischen Einflüssen inspiriertes „Red Ale“ und das mehrfach preisgekrönte „Triple 7 IPA“. Hinzu kommen immer wieder saisonale Biere. Wenn die Macher zum Werksverkauf einladen, wird es voll in ihrer kleinen Brauerei an der Friedrich-Wilhelm-Straße. An manchen Tagen gehen bis zu 6000 Liter Bier an einem einzigen Verkaufstag über ihren Tresen.

Was in Spellen aus einer Laune heraus entstand, ist heute fest verankert in der Craft-Beer-Szene am Niederrhein. „Es herrschen Pioniergeist und Aufbruchsstimmung“, sagt Torsten Mömken. „Das ist ein bisschen so wie damals, als im Silicon Valley überall Computerfirmen gegründet wurden.“ Dabei herrsche in der Craft-Beer-Szene kaum Konkurrenzdenken, vielmehr stünde ein gemeinsames Ziel im Vordergrund. Man tauscht sich untereinander aus, schickt sich Bierproben zum Verkosten, präsentiert sich gemeinsam bei Bier-Börsen: „Wir alle haben halt den selben Anspruch: Weg vom Mainstream! Wir wollen Biere mit Charakter“, sagen sie beim Brauprojekt.

Das Brauprojekt 777

Das Brauprojekt 777

Brauprojekt 777, Friedrich-Wilhelm-Straße 48, 46562 Voerde. Die Termine der Werksverkäufe werden veröffentlicht auf www.brauprojekt777.de

Bei Walter Bräu in Wesel-Büderich ist alles Handarbeit

Einer, der am Niederrhein schon seit mehr als einem halben Jahrhundert Bier braut, ist Walter Hüsgen. 2007 hat er dann „Walter Bräu“ in Büderich eröffnet. Dort ist alles Handarbeit. Er könnte den Betrieb auch als „Manufaktur“ bezeichnen, tut er aber nicht, weil der Begriff seiner Meinung nach allzu häufig angeführt wird – ebenso wie die Bezeichnung „Craft Beer“.  Walter Hüsgen begrüßt jedoch die neue Biervielfalt. Dass sich die Bierliebhaber mit ihrer Vorliebe für Selbstgebrautes gegenseitig das Wasser abgraben könnten, sieht er jedoch keineswegs als Problem: „Selbst wenn ich hier das Zehnfache an Bier-Ausstoß hätte, würde ich niemanden ernsthaft Konkurrenz machen. Der Markt am Niederrhein ist groß genug“, sagt er. „Höchstens würden wir gemeinsam den großen Brauereien ein paar Liter abknapsen.“

Walter Bräu in Wesel-Büderich

Walter Bräu in Wesel-Büderich

Die Adresse: Walter Bräu in Wesel-Büderich, Perricher Weg 54c, 46487 Wesel. Infos: www.walterbraeu.de

Der Autor - Tobias Appelt

Geboren in einem Jahr, in dem es eine sensationelle Hopfenernte gab: 1982. Dann aufgewachsen und irgendwann ins biertaugliche Alter gekommen. Seitdem immer auf der Suche nach ausgefallenen Spezialitäten. Der Meinung, dass Bier flüssiges Kulturgut ist - und daher leidenschaftlicher Fan.

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